Paderborn hat mit dem Projekt Lernstatt 2020 eine Plattform zur digitalen Unterstützung des Präsenzunterricht geschaffen. Bei der Schulschließung im ersten Lockdown im März 2020 diente die Lernstatt-Plattform dazu, die Kommunikation aufrecht  zu erhalten und Aufgaben und Übungen an die Schüler*innen zu verteilen. Dabei zeichnete sich schnell ab, dass die Lernplattform nicht auf die Anforderungen des Lernens auf Distanz für E-Mail-Versand, Dokumentenaustausch und Videokonferenz ausgerichtet war.

Trotz verstärkter Bemühungen seitens der Stadt Paderborn im letzten Jahr die Stabilität der Plattform zu erhöhen, kommt es leider auch in der aktuellen Lockdown-Phase nach wie vor zu Überlastungen beim E-Mail-Versand und Datenaustausch. Die Plattform ist daher für den Distanzunterricht immer noch nicht durchgehend nutzbar. Hinzu kommt, dass Videokonferenzen selbst in kleinen Gruppen nicht stabil abgehalten werden können.
Viele Familien mit schulpflichtigen Kindern fühlten sich wieder in die Zeit des ersten Lockdowns vor 10 Monaten zurückversetzt: eingeschränkte und hin und wieder gestörte Kommunikation per E-Mail, Aufgabenverteilung an der Schule, wenig Rückmeldungen und Feedback an die Schüler*innen, eingeschränkte Kontaktmöglichkeiten zu den Lehrer*innen. Neben hervorragendem Engagement vieler Lehrer*innen erreichten uns aber auch traurige Schilderungen von Fällen, wo diese bis auf Einstellen von Aufgaben sonst jegliche weitere  Kommunikation mieden.

Erfreulicherweise hat die Stadt seit der Ankündigung auf dem DigiLog im Juni letzten Jahres den Ausbau des Lernstatt-Angebots um die Plattform Microsoft Teams mit Unterstützung von Paderborner IT-Unternehmen vorangetrieben. Die an der Pilotierung beteiligten Schulen haben durchweg positive Erfahrungen mit der Nutzung der Teams-Plattform sammeln können und waren in der Lage, bereits in der ersten Woche der Lockdown-Verlängerung im Januar, Unterricht per Videokonferenz gruppenweise und stundenplanorientiert anzubieten. Zwar mussten alle Beteiligten - sowohl Schüler*innen, Lehrer*innen als auch Eltern - trotz einiger bereits erfolgter Gehversuche während der Quarantänezeit in die Nutzung der Plattform eingewiesen werden. Dies hat aber recht zügig funktioniert, so dass die Kinder bereits nach Ablauf der seitens des Ministeriums für die Schulen eingeräumten Organisationstage in regelmäßigem Turnus an Videokonferenzen mit ihren Lehrer*innen teilnehmen konnten.

Im Kern ersetzt eine Videokonferenz selbstverständlich nicht den Präsenzunterricht. Im Vergleich zur Lockdown-Situation im März letzten Jahres ist dies aber ein enormer Schritt zur Verbesserung der Kommunikation zwischen Schüler*innen und Lehrer*innen. Vieles, was wir als Eltern damals vermisst haben  -  Kontakt halten, Aufgabenverteilung und Feedback,  Fragenklärungen und Austausch in der Gruppe, aber auch Wissensvermittlung - lässt sich damit einfacher realisieren als rein per E-Mail, Telefon oder auch Brief. Nicht zuletzt erhalten die Kinder damit auch Tagesstruktur und gehen motivierter an die Aufgaben heran, nachdem sie im Onlineunterricht dazu die nötigen Impulse erhalten haben. Unter Nutzung von weiteren Tools wie Padlet und Untis  Messenger lässt sich ergänzend auch je Klasse die Verteilung von Wochen- und Tagesarbeitsplänen abbilden und die asynchrone Kommunikation realisieren. So sind hierfür die Kommunikation per E-Mail oder Übergabe von Arbeitsmaterialien am Schulfenster als auch der Austausch über WhatsApp nicht mehr erforderlich.

Die erarbeiteten Vorgehensweisen und die gesammelten Good Practices sollten aus unserer Sicht mit allen anderen Schulen geteilt und diese zur Nutzung angeregt werden. Die Technik hierfür sollte etabliert werden, damit die Bildungsgerechtigkeit gewahrt bleibt und die Schulen ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag adäquat nachkommen. Die dafür benötigten Foren zum Austausch unter den Schulen existieren bereits. Es fehlt aber derzeit an der erforderlichen Bereitstellung der Teams-Infrastruktur für alle Schulen der Stadt. In der offiziellen
Pressemitteilung der Stadt vom 9. Oktober 2020 Die „Lernstatt Paderborn“ wird erweitert | Stadt Paderborn hieß es noch, dass bereits nach den Herbstferien die Ausstattung der restlichen 35 Schulen hätte erfolgen können und sich dazu ein Starterpaket für einen schnellen Einstieg in Entwicklung befände. Nun fragen wir Eltern uns, warum andere, an der Pilotierung nicht teilnehmende Schulen, noch immer nichts davon haben. Umso weniger verwundert es, dass die Schulen notgedrungen nach alternativen Lösungen Ausschau halten, wie zuletzt im NW-Artikel Paderborner Schulen nutzen Alternativen zur Lernstatt - nw.de vom 13.01.2021 berichtet wurde.

Die Stadtschulpflegschaft Paderborn fordert, dass seitens des Schulträgers ein konsequentes Umdenken stattfindet: Wenn mit eigenen Mitteln eine stabile Plattform für Videokonferenzen und Datenaustausch nicht sichergestellt werden kann, so soll der Ausbau der pilotierten Teams-Plattform weiter vorangetrieben werden, um alle Schulen der Stadt daran teilhaben zu lassen. Des Weiteren soll an vielen Schulen auch die vorhandene Netz-Infrastruktur – Internetanbindung, WLAN etc. – überprüft und nachgebessert werden. Denn immer wieder sind Kinder in der Notbetreuung vom Distanzunterricht abgeschnitten oder Lehrer*innen können von der Schule aus keinen Distanzunterricht anbieten, weil eine zu geringe Bandbreite des Internetanschlusses oder mangelnde WLAN-Versorgung in der Schule die Teilnahme an bzw. die Durchführung einer Videokonferenz unmöglich machen.
Die Schulen sollten ihre Vorgehensweisen im Distanzlernen sowohl schulintern als auch schulübergreifend vereinheitlichen. Häufig wird seitens der Eltern davon berichtet, dass sogar an ein  und derselben Schule verschiedene Jahrgänge recht unterschiedlich das Distanzlernen gestalten: Videokonferenzen bei den einen, reine Arbeitszettelverteilung bei den anderen.

Nicht zuletzt wünschen wir uns als Eltern auch mehr engagierte Lehrer*innen, die für die Schüler*innen sichtbar, ansprechbar und um Rückmeldungen und Feedback von den Schüler*innen bemüht sind und die sich auch trotz aller Widrigkeiten in der aktuellen Situation am Aufbau von kreativen Lösungen zur Durchführung des Unterrichts auf Distanz beteiligen.

Unser Dank gilt allen engagierten Lehrkräften und Schulleitungen in den Schulen. Überall da, wo es möglich ist, sind wir als Eltern bereit mit anzupacken und zu helfen, damit die Bildung trotz Corona weiter geht.